Debatten darüber, ob Schüler in der Schule künstliche Intelligenz nutzen sollten, ähneln einer Frage, die sich bei der Gestaltung von Spielplätzen stellt: Wie können Erwachsene ernste Gefahren verringern, ohne Kindern jede Gelegenheit zu nehmen, den Umgang mit Risiken zu lernen? Nathan Kraai, Innovationsdirektor einer Schule, zieht diesen Vergleich in einem Essay über KI in der Bildung.
Kraai erinnert sich an Spielgeräte aus seiner Kindheit, bei denen Kinder Risiken ausgesetzt waren, darunter Stürze von hohen Konstruktionen. Als Sicherheitsvorschriften die Spielplätze veränderten, fragten sich Forscher auch, ob die Bemühungen, Gefahren vollständig zu beseitigen, zu weit gehen könnten, indem sie Kindern die Möglichkeit nehmen, sich mit überschaubarer Unsicherheit auseinanderzusetzen und Urteilsvermögen zu entwickeln.
Dieselbe Spannung prägt laut Kraai die Entscheidungen von Schulen über KI. Seine Schule, die Jungen in den Klassenstufen vier bis neun unterrichtet, hat Richtlinien entwickelt, KI in kontrollierten Umgebungen erprobt und mit Lehrkräften darüber gesprochen, wann die Tools das Lernen unterstützen oder beeinträchtigen könnten. Jüngste Entscheidungen großer Schulbezirke haben die Frage jedoch dringlicher gemacht.
Die New York City Public Schools untersagten Schülern bis einschließlich der achten Klasse für das Schuljahr die Nutzung generativer KI, die sich direkt an Schüler richtet, während der Los Angeles Unified School District Schülern die Nutzung generativer KI auf Geräten des Schulbezirks verbot. Diese Schritte veranlassten Lehrkräfte an Kraais Schule, erneut zu überlegen, ob Schüler der Mittelstufe überhaupt KI nutzen sollten.
Kraai weist außerdem darauf hin, dass Massachusetts einen anderen Ansatz verfolgt: Der Bundesstaat ermutigt Schulen, KI-Kompetenz aufzubauen und Richtlinien zu entwickeln, und unterstützt zugleich ein Lehrplan-Pilotprojekt für die Klassenstufen acht bis zwölf. Er betont, dass Schüler über KI zu unterrichten nicht dasselbe ist, wie ihnen einfach Zugang zu einem Chatbot zu geben.
Zu den Bedenken hinsichtlich einer frühen Nutzung gehört die Möglichkeit, dass Schüler sich auf KI verlassen, bevor sie ihre eigenen Schreib- und Denkfähigkeiten entwickelt haben. Kraai verweist auch auf das Risiko, dass Schüler immer dann auf ein Tool zurückgreifen, wenn ihnen eine Aufgabe schwerfällt. Er argumentiert jedoch, dass es ebenfalls Nachteile hat, Schüler von KI fernzuhalten: Sie müssen verstehen, was diese Systeme leisten können, wo ihre Grenzen liegen, wie sie Informationen beeinflussen und wann es keine gute Entscheidung ist, sich auf sie zu verlassen.
Seiner Ansicht nach sollten Schulen den Schülern Zeit lassen, sich mit Fragen auseinanderzusetzen, ihre eigene Stimme zu entwickeln, gemeinsam mit anderen Unklarheiten zu bewältigen und herauszufinden, was sie selbstständig leisten können. Gleichzeitig brauchen Schüler Gelegenheiten, den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu lernen, wobei Erwachsene ihnen zur Seite stehen und sie anleiten.
Kraai sagt, Schulen müssten Entscheidungen treffen, obwohl sich die Technologie weiter verändert und es Zeit braucht, bis die Forschung aufholt. Die Herausforderung bestehe darin, zu entscheiden, wann Schüler an KI herangeführt werden sollten und wie sich Schutz mit der Möglichkeit verbinden lässt, ein gutes Urteilsvermögen zu entwickeln.
Quellen: EdSurge.